lesenswelt #2: Rassismus aus fünf globalen Perspektiven

In diesem Beitrag stelle ich Bücher vor, die von Rassismuserfahrungen aus aller Welt berichten. Los geht es mit dem bewegenden Jugendbuch The Hat U Give von Angie Thomas aus den USA. Gefolgt von der aberwitzigen, aber auch schockierenden Autobiografie Born A Crime von Trevor Noah aus Südafrika. Alice Hasters stammt aus Köln-Nippes und berichtet über das, Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten. Maxine Beneba Clarke berichtet in The Hate Race von ihrer Kindheit in Australien. Und im Episodenroman Girl, Woman, Other erzählt Bernardine Evaristo von zwölf Schwarzen Frauen aus teils unterschiedlichen Generationen, deren Wege sich in England immer wieder kreuzen. Dazu gibt es ergänzende Tipps zu Büchern, Dokumentationen, Serien und Musik.

"The Hate U Give" von Angie Thomas

The Hate U Give erzählt von der leider schon klassischen Geschichte des jungen Afroamerikaners, der von einem weißen Polizisten während einer Verkehrskontrolle erschossen wird. Erzählt wird sie aus der Perspektive der Schülerin Starr, die vom Beifahrersitz mitansehen muss, wie ihrem Freund Kahlil grundlos in den Rücken geschossen wird.

Im Weiteren lernen wir Starrs Familie kennen, die in Garden Heights wohnt, einem durchaus problematischen Viertel mit viel Drogenkriminalität. Starrs Vater war einst Mitglied einer Gang, saß im Knast, betreibt jetzt aber einen Lebensmittelladen und möchte die Community verbessern. Ihre Mutter ist Krankenschwester, der Onkel Polizist. Starr geht auf eine reiche weiße Schule und ist zwischen den beiden Welten hin und hergerissen, ohne sich irgendwo richtig dazugehörig zu fühlen.

Geschildert werden die Wochen nach dem Ereignis, wie Starr den Vorfall ihren reichen Freundinnen verschweigt, während sie in ihrem Wohnviertel in Bedrängnis gerät und mitansehen muss, wie die Polizei versucht, die Tat schönzureden und den Ablauf zu verdrehen, so dass der »kleine Drogendealer« doch selbst an seinem Tod schuld sei.

Die Geschichte hat man in den letzten Jahren schon häufig in Büchern gelesen, in Filmen gesehen und vor allem in den Nachrichten vernommen. Doch Angie Thomans schreibt nicht für jemanden wie mich, der sich seit 20 Jahren mit afroamerikanischer Kultur und Geschichte beschäftigt, American Literature studiert hat und weiß, wer Bigger Thomas ist. Sondern für eine junge Leserschaft, die genau jetzt in Starrs Alter ist und vermutlich schon ähnliche Erfahrungen mit Rassismus und Gewalt gemacht hat, und der das Buch helfen kann, dies besser zu verarbeiten, einfach dadurch, dass sie sich darin wiederfinden.

Weißen Leser*innen kann das Buch dabei helfen, sich besser in Starrs Lage zu versetzen und Empathie und Verständnis für die untragbare Situation zu entwickeln, in der sich viele People of Color täglich befinden. Dabei setzt das Buch nicht auf Spannung, sondern vor allem auf seine liebenswürdigen und vielschichtigen Figuren, die alle ihre eigenen interessanten Geschichte haben.

© Imani Khayyam

Thomas geht es nicht darum, Kriminalität zu verharmlosen, aber sie schaut genauer auf die Ursachen. Warum, verkauft jemand wie Khalil Drogen? Warum landen so viele junge Männer in Gangs? Wo und wie hat die Gesellschaft versagt, um die Menschen in eine solche Lage zu bringen?

That Hate U Give, der Titel bezieht sich auf ein Zitat von Tupac Shakur, das vollständig lautet: The Hate U Gave Little Infants Fucks Everybody, kurz THUG LIFE. Der Hass, den wir kleinen Kindern geben, wird irgendwann auf uns zurückfallen.

Hip Hop spielt eine wichtige Rolle, vor allem 2Pac wird mehrfach erwähnt, als Poet, der mit weisen Worten erzählt wie es wirklich ist. Was zeigt, dass auch Musik aus den 90ern noch eine wichtige Rolle bei der heutigen Jugend spielt. Aber auch Kendrick Lamar wird mehrmals erwähnt, zunächst mit dem Song mit Reggea-Refrain, in dem er davon rappt ein „Hypocrat“ zu sein, was Blacker the Berry sein dürfte. Gegen Ende wird Lamars Song erwähnt, in dem es darum geht, dass alles in Ordnung kommen wird. Siehe linke Spalte.

Black Panthers

Immer wieder erwähnt werden die Black Panthers, denn als Starrs Vater den Lebensmittelladen von seinem Vorgänger übernahm, hing er das Bild von Martin Luther King ab und ersetzte es durch die Porträts von Black-Panther-Ikonen wie Fred Hampton, Huey P. Newton und Bobby Seale. Bei Arte gibt es noch bis Oktober eine ausgezeichnete zweiteilige Dokumentation über die Geschichte dieser Bürgerrechtsbewegung.

Angela Davis – An Autobiography

Faszinierende Autobiografie einer afroamerikanischen Bürgerrechtsaktivistin und Kommunistin, die die Black Panther Party mitgegründet hat und in Frankfurt bei Adorno und Habermas studierte (hätte bei Adorno promovieren können, wollte aber zurück in die USA, um in der Bewegung aktiv zu werden). Vor allem aber ein Buch darüber, wie die amerikanische Justiz versucht, politische Aktivist*innen mit an den Haaren herbeigezogenen Anklagen zu schikanieren. Davis‘ Prozess fand Anfang der 1970er statt, die Parallelen zu den J20-Prozessen von 2018 sind erschreckend. Es scheint sich tatsächlich nicht viel geändert zu haben. Teilweise sind die Schilderungen der jungen Angela Davis (sie war 28, als sie das Buch schrieb) stark ideologisch geprägt und wirken etwas naiv (vor allem in Bezug auf Kuba), aber ihre Schilderungen der Untersuchungshaft (Jail) – nicht zu verwechseln mit dem Gefängnis (Prison) – gehen unter die Haut. Stilistisch klar und elegant formuliert (lektoriert von Toni Morrison). Meines Wissens nach ist das Buch bis heute nicht auf Deutsch erschienen. Was mir völlig unerklärlich bleibt.

"Born A Crime" von Trevor Noah

Trevor Noah ist ein südafrikanischer Comedian, der inzwischen in den USA die Moderation der Daily Show von John Stewart übernommen hat, und damit zu einer der wichtigsten politischen Stimmen im amerikanischen Late-Night-Fernsehen gehört. Aufgewachsen ist er unter ärmlichen Verhältnissen in den Townships von Johannesburg, bei einer sehr resoluten und emanzipierten alleinerziehenden Xhosa-Mutter, während der Schweizer Vater meist abwesend und ein Rätsel blieb. Und genau von dieser Kindheit erzählt Noah in diesem Buch.

Doch neben einer beeindruckenden Autobiografie liefert er gleichzeitig auch (in groben Zügen) die Geschichte Südafrikas mit. Die Kolonialisierung durch die Holländer, die Übernahme durch die Briten, die Unterdrückung der einheimischen Bevölkerung, die in Ghettos ohne Infrastruktur zusammengepfercht auf sich allein gestellt waren. Noah ist viel umgezogen, vom Township Soweto für die Schwarzen, in eine Wohnung im Weißenviertel und in ein Viertel für Colored People – und überall erfuhr er andere Formen der Ausgrenzung.

Sehr gut arbeitet er die perfide Form des Rassismus heraus, der nicht nur von den Weißen gegenüber der Schwarzen Bevölkerung erfolgt, sondern den die Behörden über Jahrhunderte auch der vielfältigen Bevölkerung gegenüber anderen Volksgruppen und Hauttypen, also gegenüber sich selbst, einindoktriniert haben. Schwarze diskriminieren die Colored oder Coloureds (heller Hauttyp aufgrund eines weißen Elternteils) und umgekehrt, Japaner gelten als Weiße, Chinesen als Schwarze, Inder sind noch mal eine eigene Kategorie, aber alle werden von den Weißen unterdrückt. Und Trevor Noah steht zwischen den Stühlen, weil er nirgendwo so richtig akzeptiert wird. Teilen und Herrschen lautete das Prinzip, Unfrieden unter der Bevölkerung stiften, damit diese sich gegenseitig das Leben schwer macht, während die weiße Herrscherschicht in Ruhe die Privilegien genießen und sich bereichern konnte.

Noah beschreibt seine Hautfarbe selbst als olivefarben („olive“). Und damit galt er in Südafrika bei seiner Geburt 1984 als illegal, da Beziehungen zwischen Weißen und Schwarzen verboten waren. Was dazu führte, dass er die ersten sechs Jahre seines Lebens (bis zum Ende der Apartheid) versteckt gehalten wurde. Seinen Vater durfte er in der Öffentlichkeit nicht Dad nennen, seine Mutter war das Kindermädchen. Noah war damals noch zu jung, um zu verstehen, was da vor sich ging.

Einen guten Eindruck vom Lebensgefühl in Südafrika, vermitteltt das Musikvideo zu Kwestas Spirit, das in wunderschönen Bildern das Leben in den Townships und der Menschen einfängt und eine hoffnungsvolle Hymne für das junge Südafrika darstellt. Die Bilder sind nicht einfach so drauflosgefilmt, ihnen schwingt einiges an Bedeutung mit. Die Fahne, die verbrannt wird, ist die alte Nationalflagge aus der Zeit der Apartheid. Man beachte die Dichotomie der Bilder, der Weihrauch in der Kirche, gefolgt vom qualmenden Joint, die Oblate beim Abendmahlsbrot in der Kirche gefolgt von den Shots im Club.

Kwesta gehört zu den bekanntesten Rappern des Landes. Seine Sprache ist isiZulu, die am weitest verbreitete afrikanische Sprache Südafrikas, noch vor isiXhosa.

Einer der bekanntesten Filme über das Leben in den Townships Südafrikas dürfte Tstotsi aus dem Jahr 2005 sein (fuck District 9). Erzählt wird aus dem Leben des titelgebenden Kleinkriminellen, dessen Leben sich radikal ändert, nachdem er versehentlich ein Baby stiehlt. Ein knallharter Film, der nichts beschönigt, aber trotzdem Hoffnung gibt.

Hier sehen wir Trevor Noah in der Homeoffice-Ausgabe seiner Daily Show im Gespräch mit Hether McGhee. In ihrem Buch The Sum of Us: What Racism Costs Everyone and How We Can Prosper Together rechnet die Autorin und Ökonomin vor, welcher finanzieller Schaden durch Rasssismus auch für die weiße Bevölkerung verursacht wird.

Im Rückblick schildert er all die krassen Erlebnisse, all den Hass und die Diskriminierung, die er erfahren hat, nicht mit Verbitterung, sondern auf humorvolle und klug erklärende Weise. Immer wieder gibt es Kapitel mit aberwitzigen Geschichten, wie über das Doppelleben seines Hundes Fluffy, oder den Tanzauftritt in einer jüdischen Schule, zusammen mit seinem Freund Hitler (ein Kapitel, das auch einen interessanten Blick darauf wirft, wie in nicht euro- und amerikazentrischen Ländern Geschichte wahrgenommen wird). Noah ist als Kind ein gewitzter Teufelsbraten, der Dennis the Menace gut Konkurrenz machen könnte, aber auch schon mal ein Haus (unbeabsichtigt) abfackelt.

Ich habe schon viele Dokumentationen über Südafrika und die Apartheid gesehen, doch so krass und repressiv, wie sie hier mit ihrem perfiden institutionalisierten Rassismus geschildert wird, ist mir das Leben in Südafrika noch nicht vor Augen geführt worden. Ein ausgezeichnetes Lehrstück in Sachen Geschichte und Rassismus, das vor allem durch die autobiografischen Elemente so unmittelbar wirkt.

Mit Born a Crime legt Trevor Noah nicht nur eine krasse, aber unglaublich witzig erzählte Autobiografie vor, sondern auch eine vielschichtige und kluge Reflexion des wohl radikalsten institutionalisierten Rassismus seit Abschaffung der Sklaverei vor: der Apartheid. Ein Buch, das man gelesen haben sollte.

Noch kurz was zum deutschen Titel Farbenblind, der bei Erscheinen stark kritisiert wurde. Meiner Meinung nach zurecht. Zwar gibt es im Buch ein Kapitel mit dem Titel Colorblind, doch das bezieht sich auf einen Vorfall, bei dem Noah und ein Schwarzer Freund von einer Überwachungskamera beim Ladendiebstahl gefilmt wurden. Sein Schuldirektor und die Polizei ihn aber darauf nicht erkennen konnten, weil ihn die Kamera neben seinem Schwarzen Freund als weiß darstellt. Die Kamera und auch die weißen Leute, die sich die Aufnahmen ansehen, sind also in diesem Fall farbenblind und Noah entgeht seiner Strafe. Hautfarbe („race“) spielt aber in so gut wie jedem Kapitel einen große Rolle, so dass der deutsche Titel in die Irre führt.

Ergänzende Buchempfehlung

An dieser Stelle sei noch der Roman Dog Eat Dog von Niq Mhlongo empfohlen, der ebenfalls vom Leben im Soweto nach der Apartheid erzählt:

„Über Jahrzehnte ist die Schwarze Mehrheit – die keineswegs eine homogene Gruppe darstellt, sondern aus vielfältigen Kulturen mit zahlreichen unterschiedlichen Sprachen besteht – von einer weißen Minderheit brutal unterdrückt worden. Und jetzt, nach Ende der Apartheid und dem Unrechtsregime setzt sich die durchaus verständliche Erwartungshaltung durch, dass die einst Unterdrückten jetzt am Drücker seien und die Zukunft unter allen Umständen ihnen gehöre.

Die Tragik liegt darin, dass sich die prekäre soziale Lage für viele in der Bevölkerung nicht verändert hat. Dingz und seine Familie leben immer noch einer der Townships Sowetos, und dass er jetzt an einer ehemals rein weißen Universität studieren darf, wirkt eher wie ein Feigenblatt, das sich die weiße Oberschicht über den Makel der Diskriminierung legt. Denn Dingz fehlen die Mittel, um sich das Studium finanzieren zu können, und ein Stipendium kann er sich eben nur durch Lügen ergaunern (wenn überhaupt).“

Die komplette Besprechung gibt es auf meinem alten Blog Translate Or Die zu lesen.

"Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten" von Alice Hasters

Die wenigsten weißen Menschen dürften sich für Rassisten halten. Die meisten von ihnen (uns) werden es auch nicht sein. Doch es gibt einen Unterschied dazwischen, ein Rassist zu sein, und sich rassistisch zu verhalten oder zu äußern. Über die Jahrhunderte haben sich so viel rassistische Verhaltensweisen, Traditionen, Systeme, Begriffe und Praktiken etabliert, dass sie nur schwer wieder aus der Mitte der Gesellschaft zu bekommen sind. Da würde es jeder*m von uns guttun, über das eigene Verhalten zu reflektieren. Und wenn es nur darum geht, ob man den Mund auf macht, wenn man einen rassistischen Vorfall beobachtet, oder, ob man den Betroffenen glauben möchte. Alice Hasters führt in diesem Buch zahlreiche Beispiele und Vorfälle auf, und ich glaube ihr jeden Einzelnen.

Am Anfang steht die Frage, warum noch ein Buch über Rassismus, wo es doch schon einige tolle Bücher von Schwarzen Frauen zu dem Thema gibt. Weil es leider immer noch notwendig ist. Weil Rassismus in unserer Gesellschaft noch immer weit verbreitet ist. Weil vielen immer noch Verständnis und Sensibilität gegenüber Menschen abgeht, die von Rassismus und Diskriminierung betroffen sind. Weil es eben jetzt nicht endlich mal gut ist damit, sich über systemischen, institutionalisierten oder alltäglichen Rassismus aufzuregen.

Hasters verknüpft ihre eigene Biografie mit der Suche nach den Ursprüngen des Rassismus. Wie er erfunden wurde, um ohne schlechtes Gewissen Menschen unterdrücken, ausbeuten und versklaven zu können. Und über die Jahrhunderte hat sich dieses System so tief in unserer Gesellschaft verwurzelt, dass es trotz all der Aufklärung (nein, nicht Kant, Voltaire und Co., die waren Rassisten) und wissenschaftlichen Widerlegungen so schwer loszuwerden ist, dass sich Alice Hasters ständig Fragen zu ihrer Herkunft ausgesetzt sieht, von Menschen, die sich nicht mit der Antwort »Köln-Nippes« zufriedengeben (wollen).

Der Rassismus zwischen den Zeilen

Neben dem offenen und von Hass erfüllten Rassismus der Neonazis, gibt es auch jenen, der vielen Menschen gar nicht bewusst ist. Wenn wir die Straßenseite wechseln, wenn uns ein Schwarzer Mann entgegenkommt. Wenn wir uns im Bus lieber neben eine weiße Person setzen. Wenn wir jemandem mit türkischem Namen bei gleicher Leistung eine schlechtere Note geben, und ihnen generell weniger zutrauen. Wenn wir die Schwarze Freundin lieber nicht der Verwandtschaft oder den Freunden vorstellen wollen, oder ihr nicht glauben, dass sie wegen ihres Aussehens unfreundlicher behandelt wird.

Ein großes Thema ist das teils vollkommene Unverständnis weißer Menschen gegenüber von Diskriminierung Betroffener. Die sich beleidigt zeigen, wenn sie darauf angesprochen werden. Sich wiederum als Opfer sehen. Die nicht glauben können, dass sie selbst rassistische Verhaltensweisen an den Tag legen. Und glauben, Rassismus gebe es in unserer modernen, aufgeschlossenen Gesellschaft doch gar nicht mehr.

Die Fähigkeit zur Empathie, sich in die Lage anderer Menschen hineinzuversetzen, ist eine Kunst, die in unserer Erziehung und Bildung noch immer sträflich vernachlässigt wird. Mit Ignoranz lebt es sich viel bequemer. Hasters Buch zu lesen, ist ein erster Schritt, diese Bildungslücke, diese Lücke im Menschsein, zu schließen. Denn die Autorin geht sehr strukturiert und nachvollziehbar vor, dröselt schrittweise auf, in welchen Formen Rassismus noch immer in unserer Gesellschaft und unserem Alltag verwurzelt ist.

Wir sind in Deutschland so stolz darauf, wie ausführlich die Nazizeit und der Holocaust aufgearbeitet wurden, aber die Kolonialzeit (die den Weg dahin ebnete) bleibt weitestgehend ein blinder Fleck (siehe Humboldt-Forum und Beutekunst). Und das liegt nicht nur an drögen und unkritischen Geschichtslehrern, wie dem von Alice Hasters.

Zugehörigkeit und Herkunft

Hasters Suche nach Identität, nach Zugehörigkeit, führte sie nach Philadelphia, der Heimatstadt ihrer Mutter, wo sie ein Jahr an einer High-School verbringt. Und wo sie feststellen musste, dass sie auch dort als Außenseiterin betrachtet wird, wo man ihr bereits am ersten Tag den Spitznamen The German verpasst. Ausgrenzung ist etwas Universelles, das in allen Gesellschaften vorkommt, was es Menschen mit Herkunft aus unterschiedlichen Kulturen/Ländern umso schwerer macht, einen emotionalen Anker zu finden, einen Ort, wo sie sich wirklich dazugehörig fühlen. Und wir sind es, die mit dafür verantwortlich sind.

Im letzten Teil erreicht das Buch dann noch mal ganz andere Qualitäten, wenn Alice Hasters sehr emotional über ihre Familie und vor allem ihre Großeltern schreibt. Mit wenigen Sätzen gelingt es ihr, ein lebhaftes Porträt dieser doch widersprüchlichen Menschen zu zeichnen. Wobei es ihr im gesamten Buch gut gelingt, komplexe Sachverhalte und Zusammenhänge knapp aber prägnant zu schildern. Ihrer Sprache und ihren Gedanken wohnt eine Klarheit inne, die nur wenige Menschen so verständlich zum Ausdruck bringen können. Dabei scheut sie sich nicht, die eigene Verletzlichkeit und die Unsicherheiten zu offenbaren, die unser weißes Verhalten bei ihr über die Jahre ausgelöst hat. Auch wenn sie dem inzwischen deutlich selbstbewusster begegnet, wie dieses Buch hervorragend demonstriert. Aber es gibt auch jene, die das nicht können, die keine Bücher schreiben und immer stiller werden.

Das Buch wurde zurecht ins Programm der Bundeszentrale für politische Bildung aufgenommen, und sollte meiner Meinung nach auch, mit einigen anderen Titeln, die Hasters zum Teil erwähnt, in die verstaubten Lehrpläne der Schulen aufgenommen werden.

Musik zum Buch

Eine wichtiger Bestandteil der Schwarzen Identität sind die Haare, die nicht ungefragt und auch nicht gefragt berührt werden sollten. Über Jahrzehnte ruinierten sich Schwarze Frauen in einem schmerzhaften Prozess die Kopfhaut, um sich das Haar zu glätten und dem weißen Schönheitideal zu entsprechen – oder einfach einen Job zu bekommen. Seit der Black-Panthers-Bewegung gilt der Afro als Frisur der Emanipation und Zeichen gegen die Unterdrückung der weißen Mehrheitsgesellschaft. Solanges Song ist eine Ermunterung, das Haar stolz natürlich zu tragen.

Q. e. d könnte man sagen. Allein durch die enormen Anfeindungen, die dieser Kommentar von Alice Hasters in der Tagesschau ausgelöst hat, zeigt sich, wie richtig sie mit dem Kommentar liegt. Auch die österreichische Politikwissenschaftlerin Natascha Strobl (#TeamStrobl), die rechte Strukturen erforscht und sich gegen Rechtsextremismus engagiert, musste ihren Twitter-Account kürzlich stillegen, weil die Anfeindungen und Drohungen gegen sie und ihre Familien zu massiv geworden waren. Wir als Zivilgesellschaft dürfen diese Menschen nicht alleine lassen, müssen ihnen im Kampf gegen diese von Hass erfüllten Extremisten beistehen und müssen dafür sorgen, dass so wichtige Stimmen wie die von Alice Hasters und Natascha Strobl nicht zum Schweigen gebracht werden.

Wie der Mord an Walter Lübke gezeigt hat, folgen solchen Drohungen auch Taten. Die Regierung tut zu wenig, um solche Menschen zu schützen. Ihnen ab und zu mal einen Orden oder ein Verdienstkreuz zu verleihen, ist reine Symbolpolitik, die nicht wirklich hilft. Ich würde mich mit diesem Beitrag z. B. schon wohler fühlen, wenn meine Adresse durch die Impressumspflicht nicht nur ein Klick entfernt stünde. Aber das möchte man der Abmahnindustrie natürlich nicht zumuten.

"The Hate Race" von Maxine Beneba Clarke

Gleich zu Beginn schildert Clarke einen Vorfall, bei dem ihr ein Autofahrer hinterherruft, sie solle ihr Kind ertränken und dorthin zurückgehen, wo sie herkomme. Es fällt auch das N-Wort. Ein verbaler Angriff, der sie traumatisiert und für mehrere Tage praktisch außer Gefecht setzt, denn es ist nur einer von vielen in ihrem bisherigen Leben in Australien.

Ein Vorfall, ein Angriff, wie ich ihn als weißer Mann nie werde ganz nachempfinden können. Wenn mir jemand etwas hinterher brüllt oder mich dumm anmacht, habe ich das fünf Minuten später schon wieder vergessen, denn es kommt so selten vor, und ist eher dem Zufall geschuldet, als meinem Aussehen. Und gehört nicht zu den vielen Kleinen und größeren Nadelstichen eines rassistischen Systems, dass auch nach Jahrhunderten noch immer die Gesellschaft vergiftet und nicht-weißen Menschen das Leben schwer macht oder gar ihr Leben bedroht.

Clarke befand sich auf dem Weg zur Schule, mit ihrem fünf Monate alten Baby im Kinderwagen, um den fünfjährigen Sohn abzuholen. Und die Vorstellung, dass ihre Kinder immer wieder solchem Hass ausgesetzt sein werden, lähmt und entsetzt sie.

Im Folgenden erzählt sie ihre Autobiografie, ihr Leben als Tochter Schwarzer britischer Einwanderer mit Wurzeln auf den Westindischen Inseln – der Vater promovierter Mathematiker, die Mutter studierte Schauspielerin –, vom ersten Tag im Kindergarten, wo sie der weibliche Spielplatzbully gleich mit den Worten »You are brown« begrüßt wird, was nicht als Kompliment gemeint ist. Die Lehrerin, die ihr nicht glauben will, dass die Eltern aus England kommen und der Vater Mathematik an der Universität unterrichtet. Die Selbstzweifel bezüglich des eigenen Körpers, die Scham durch den vermeintlich großen Hintern im Turnunterricht; die Hoffnung, weiß zu werden, als eine Pigmentstörung die Haut verfärbt. Und der grundsätzliche Vertrauensverlust gegenüber den Lehrer*innen, die tatenlos zusehen, wie die anderen Kinder sie diskriminieren und mobben.

Es ist aber auch die Geschichte aus einer liebevollen, herzlichen Familie mit einem geborgenen Zuhause und tollen Freundinnen, die Clarke hier in einem mitreißenden Stil erzählt, der viel literarischer daherkommt, als die übliche Standardprosa solcher Autobiografien. Und sie vergisst bei all dem auch nicht, wo sie herkommt, nämlich aus Australien, einem Land, das sich auf der blutigen Eroberung des Kontinents und der bis heute nicht aufgearbeiteten Unterdrückung und Ermordung der indigenen Bevölkerung gründet. Einem Land, dessen Härte gegenüber Flüchtlingen immer wieder schockiert (wobei wir da auch nicht besser sind, wir haben da nur an einen türkischen Diktator und libysche Menschenhändler und Foltermilizien outgesourced).

Es hat Jahre gedauert, bis die junge Maxine die Geschichte der Aboriginals erfährt, und das nicht aus dem Schulunterricht. Noch in den 80er-Jahren laufen Kinder aus einem sogenannten Waisenhaus ihre Straße entlang, die zu jenen Kindern der Aboriginals gehören, die von den Behörden ihren Familien weggenommen wurden. Keines der Kinder geht auf Maxines Schule. Sie lernt nur wenige Kinder mit nicht-weißer Hautfarbe kennen, und die stammen entweder aus Südostasien oder Indien.

The Hate Race ist ein stellenweise brutales Buch, in dem Clarke den Rassismus der australischen Gesellschaft schonungslos offenlegt, erzählt an einigen schockierenden Vorfällen aus ihrer Kindheit, die stellvertretend für viele andere stehen. Das Buch ist aber auch eine Liebeserklärung an die eigenen Familien, die Clarke die nötige Stabilität verleiht, die traumatischen Erlebnisse durchzustehen. Sie betont auch, dass sie sich hier vor allem auf die rassistischen Vorfälle konzentriert, trotzdem aber eine überwiegend glückliche Kindheit hatte, was sich vor allem in dem beschwingten Erzählstil zeigt, der auf Westindische Erzähltraditionen zurückgeht.

An dieser Stelle sei aber auch gewarnt, dass im Buch unzählige rassistische Beleidigungen benannt werden. Australien Rassisten scheinen sich zumindest in diesem Bereich kreativ voll auszutoben. Könnte aber Betroffene triggern. Auf Deutsch ist das Buch bisher leider nicht erschienen.

Intermission

An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass wir Schwarze Menschen und andere People of Color nicht instrumentalisieren sollten, also nur dann zu Wort kommen lassen, wenn es um Rassismus geht (Stichwort: Tokenism). Ladet sie auch zu anderen Themen in Talkshows ein. Reduziert sie nicht auf den Rassismus, den sie erleben. Erwartet auch nicht, dass sie sich nach jedem Vorfall, der für Aufmerksamkeit in den Medien sorgt, dazu äußern. Deshalb stelle ich hier jetzt noch zwei begabte junge Musikerinnen vor, bei denen Rassismus kein Thema in ihren Songs spielt, die aber noch viel mehr Aufmerksamkeit verdient haben.

Die junge britische Musikerin Arlo Parks sorgte erstmals vor ca. zwei Jahren mit ihrem Song Cola für Aufsehen. Im Februar 2021 erschien ihr Debütalbums Collapsed Into Sunbeams (ein Zitat einer meiner Lieblingsautorinnen Zadie Smith). Entspannter jazziger Sound mit Trip-Hop-und-Thom-Yorke-Anleihen, dazu ihre unverkennbare Wahnsinnsstimme. Rassismus spielt in ihren Texten keine Rolle, es geht vor allem um Beziehungskonflikte (Caroline), psychische Erkrankungen (Black Dog) und Identität.

Larys Debütlalbum FutureDeutscheWelle von 2014 habe ich nicht gehört, aber das 2018 erschienene Hart fragil hat mich schwer begeistert. Jazzig melancholischer Sound mit Gitarre und Klavier, kraftvoller, leidenschaftlicher, lasziver Gesang, ohne zu viel Autotune, ähnliche Beziehungsthemen und Selbstreflexion wie bei Arlo Parks. Als Poesie der menschlichen Gegensätze hat Robin Schmidt das auf laut.de sehr treffend bezeichnet, auch was den Sound angeht. Für mich eine der besten deutschsprachigen Platten der letzten Jahre.

"Girl, Woman, Other" von Bernardine Evaristo

Wow, was für ein Buch. Den Einleitungstext ganz oben mit der Ankündigung, es zu besprechen, hatte ich schon verfasst, bevor ich überhaupt reingelesen habe. Als ich das dann tat, habe ich es kurzfristig wieder von der Liste gestrichen, weil ich dachte, das wird zu anstrengend. Denn Evaristo verzichtet größtenteils auf Satzzeichen. Punkte gibt es gar keine, jeder Satz beginnt kleingeschrieben in einer neuen Zeile

aber was soll ich sagen, das Buch besitzt vom ersten Satz an eine so mitreißende Musikalität, wie sie mir zuletzt bei Paul Beatteys Slumberland begegnet ist, hebt das ganze aber noch mal auf eine neue Ebene. Weshalb ich mir extra die gedruckte Ausgabe gekauft habe, um auch ja das richtige Layout zu haben, das hier eine wichtige Rolle für den Rhythmus des Romans spielt.

In Episodenform erzählt sie die Geschichte von zwölf Schwarzen Mädchen, Frauen und Anderen, deren Lebensmittelpunkt sich zumindest für einen gewissen Teil in Großbritannien befindet; deren Wege sich immer wieder kreuzen, teils sind sie gute Freundinnen, Mutter und Tochter, oder sie begegnen sich nur flüchtig. Die Überschneidungen der Lebensgeschichten sorgen für unterschiedliche Perspektiven aufeinander, was manche Geschichte und Person dann in einem anderen Licht erscheinen lässt.

Der Kern des Romans liegt in der Gegenwart, die sich um ein Theaterstück der Autorin und Regisseurin Amma spannt, aber ein Porträt mehrerer Generationen ist, das Teilweise bis in 19. Jahrhundert zurückgeht.

Evaristo zeichnet ein vielfältiges und ambivalentes Porträt der Gesellschaft, und zeigt, dass wir Menschen komplizierte und widersprüchliche Wesen sind. Dabei spricht sie unglaublich viele leider immer noch aktuelle Themen an, allen voran natürlich Rassismus und Sexismus, aber auch Geschlechteridentität und Beziehungsthemen, tut dies aber in einem sehr humorvollen und optimistischen Werk über gelungene Lebensläufe voller feiner soziologischer Beobachtungen.

Bei den meisten anderen Autor*innen wäre ein Roman mit dieser Themenfülle und Vielfalt vermutlich völlig überfrachtet, doch bei Evaristo kommt alles mit einer so beschwingten Leichtigkeit daher, dass sich alles perfekt ins Gesamtbild einfügt. Egal welches Thema sie anspricht, sie vergisst nie, auch andere Perspektiven und Argumente anzuführen (nein, natürlich keine rechten). Der Rassismus in unserer Gesellschaft ist eben nicht einfach schwarz/weiß, sondern kommt in vielen Formen und Abstufungen vor, bewusst und unbewusst, gewollt verletzend oder einfach unbedacht.

Evaristo scheut sich auch nicht, problematische Strukturen und Widersprüche innerhalb marginalisierter Gruppen und Untergruppen aufzuzeigen, das beste Beispiel ist die Machtstruktur und Gewalttätigkeit in der lesbischen Beziehung zwischen den beiden selbstbewussten Feministinnen Dominique und Nzinga. Dadurch kommen die Geschichten der Figuren so viel lebensechter und glaubwürdiger rüber. Ich hatte nie das Gefühl, hier nur von konstruierten Romanfiguren zu lesen, die stellvertretend für bestimmte Ideologien oder Positionen stehen.

Und obwohl gleich zwölf Hauptfiguren auf den ersten Blick etwas viel wirken, kommt es kaum zu Wiederholungen oder Füllmaterial. Evaristo gelingt es tatsächlich, zwölf sehr unterschiedliche und vielschichtige Persönlichkeiten vorzustellen, die alle unterschiedliche Erfahrungen machen, und auch mit ähnlichen Erfahrungen auf unterschiedliche Weise umgehen.

Auf Deutsch ist das Buch in der Übersetzung von Tanja Handels bei Tropen unter dem Titel Mädchen, Frau etc. erschienen. Zu dem »etc.« sag ich jetzt mal nichts, solche Titelentscheidungen fallen in der Regel aber im Marketing oder der Redaktion.

Small Axe

Small Axe ist eine Anthologie-Serie von Steve McQueen, deren teils spielfilmlange Episoden einzelne abgeschlossene Geschichten aus der Schwarzen Community des Londoner Stadtteils Brixton erzählen. Mangrove berichtet von der wahren Geschichte der Mangrove Nine, die ähnlich wie die Chicago Seven aus fabrizierten Gründen unschuldig vor Gericht gezerrt wurden. Wir erhalten drastische Einblicke in die permanenten Belästigungen der Schwarzen Bevölkerung und Schwarzer Geschäftsleute durch Polizei und Behörden.

Das ist das Grundthema der Serie, das aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird. Heraus sticht Episode zwei, Lovers Rock, in der sich alles um eine fiktive Reggea(Blues?)-Party dreht, die in pulsierenden Bildern mit treibender Musik unterlegt inszeniert wurde, und uns Einblicke in die Freizeitgestaltung dieser Community gewährt. In Red, White and Blue wird die wahre Geschichte des Schwarzen Polizisten Leroy Logan erzählt, der hoffte, die Polizei von innen heraus ändern zu können. Alex Wheatle ist die Biografie des gleichnamigen Schriftstellers. Und Education widmet sich dem britischen Bildungssystem, dass ja auch in Bernadine Evaristos Roman viel Aufmerksamkeit erhält. Stilistisch ist die Anthologie-Serie brillant erzählt.

Leider gibt es sie bisher nur als digitale Kaufversion im englischen Original.

 

Ein paar Gedanken zum Schluß

USA, Südafrika*, Deutschland, Großbritannien, Australien, bei Lektüre all dieser Erfahrungsberichte (ob in fiktive Texte eingebettet oder Autobiografien) zeigt sich, dass die Systematik des Rassismus überall nach dem gleichen (dummen, aber perfiden) Schema abläuft. Jene, die ihn bewusst praktizieren, tun dies entweder aus Dummheit, Ignoranz oder einer Boshaftigkeit, die einzig dem eigenen Vorteil dient. Der Ignoranz ist wohl am ehesten beizukommen, mit Beharrlichkeit, Bildung und Aufklärung. Jene, die mit Dummheit gestraft sind, sind dabei wohl schwerer zu erreichen. Jenen, die aus Boshaftigkeit zum eigenen Vorteil agieren (siehe das Paradebeispiel Donald Trump) muss man die Grundlage dafür entziehen, dass sich das rassistische Verhalten für sie zum Vorteil nutzen lässt (und die Plattformen, mit denen sie eine hohe Reichweite erhalten – damit meine ich euch Talkshows der Öffentlich Rechtlichen). Gesamtgesellschaftlich sorgt es sowieso für enorme Schäden (siehe The Sum of Us von Heather McGhee).

Wir müssen den Betroffenen endlich glauben, ihre Deutungshoheit anerkennen, über das, was rassistisch ist, was sie verletzt und benachteiligt. Die Fälle, in denen Menschen die sogenannten »Rassismuskarte« ausspielen, wenn sie zurecht für etwas kritisiert oder belangt werden, dürfte so verschwindend gering sein, dass man solche Fälle (im Gesamtbild) getrost ignorieren kann, auch, weil sie von Rassisten und ewig Gestrigen immer wieder als Gegenargumente für notwendige gesellschaftliche Veränderungen inszeniert werden. Gleiches gilt übrigens auch für die Betroffenen von sexuellen Übergriffen.

Repräsentation ist ein ganz wichtiger Punkt. Alle berichten davon, wie wenig sie sich als Kinder in Büchern, Filmen, Serien und Spielzeugen wiedergefunden haben, wie sie das verunsichert hat, und in ihrem Schwarzsein das Selbstbewusstsein nahm. Und ich bekomme auch mit, wie Leute (auch aus meinem Umfeld) immer wieder herablassend fragen, was denn jetzt so toll daran sei, einen schwarzen Superhelden wie Black Panther zu haben. Das sind (fast) immer weiße Menschen, denen jegliches Einfühlungsvermögen dafür fehlt, zu erfassen, welche Bedeutung eine solche Repräsentation in der Populärkultur für BIPoC-Kinder bedeutet.

That Hate U Give Little Infants Fucks Everbody. Das läuft zum Glück nicht immer so. Die hier besprochenen Autor*innen konnten den Hass, der ihnen schon ihr ganzes Leben lang entgegenschlägt, in etwas Positives umwandeln, um die Welt ein Stück besser zu machen und den Hass zu mindern. Danke dafür! Aber wir sind noch weit davon entfernt, diesem Hass Einhalt zu gebieten und die Schäden für unsere Gesellschaft und vor allem für die Betroffenen zu verhindern.

 

*In Südafrika ist die Situation vom System her etwas anders gelagert, weil dort die Schwarze Bevölkerung die große Mehrheit ausmacht, und deshalb von der weißen Minderheit umso brutaler unterdrückt wurde. So wie es auch in früheren Kolonien ablief

Ausblick

Rassismus ist ein so breites Themenfeld, dass dies hier sicher nicht die letzte Ausgabe von lesenswelt zu dem Thema sein wird. Dieses Mal habe ich mich auf einige Bücher von Schwarzen Betroffenen konzentriert, aber es betrifft natürlich noch viel mehr People of Color, denen ich mich hier auch noch widmen werde. Die Morde von Atlanta haben erst kürzlich gezeigt, wie stark verbreitet auch der Hass gegen asiatischstämmige Menschen ist, ebenso wie der Hass gegen Frauen allgemein. Für Lektüretipps in den Kommentaren wäre ich dankbar.

Die nächste Ausgabe von lesenswelt erscheint am 1. Mai und wird ganz unpolitisch, bevor es in Nummer 4 dann um Hongkong geht. Um Traffic zu generieren und meine Reichweite zu erhöhen, wäre es sicher sinnvoller die ganzen Buchbesprechungen hier einzeln zu veröffentlichen (mein Yoast-SEO-Plugin leuchtet überall warnend rot). Aber darum geht es mir nicht. Mit dieser Seite hier verdiene ich keinen Cent, stecke aber viel Arbeitszeit rein. Deshalb ziehe ich mein Konzept weiter durch. Trotzdem wird es zwischendurch Einzelbesprechungen zu Büchern (oder Filme/Serien) geben, die nicht in eine bestimmte Themenausgabe passen, oder eine schon erschienene ergänzen. Wer immer auf dem neusten Stand sein möchte, kann mir auf Twitter und Facebook folgen. Da wird es auch Vorab- und nachträgliche Infos zu Ausgaben geben.

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